Was ist Interoperabilität und weshalb ist sie so wichtig?

In den letzten Jahren sind sich die europäischen Länder des wachsenden Einflusses der Internet-Giganten auf verschiedene Aspekte des politischen und wirtschaftlichen Lebens bewusst geworden. Einer der Vorwürfe gegen diese großen Internetunternehmen ist ihre mangelnde Interoperabilität. Dieser Begriff ist den meisten Internetnutzern zwar nicht geläufig, aber dennoch in vielerlei Hinsicht entscheidend. Da es sich dabei um einen zentralen Mehrwert von Mailfence handelt, möchten wir Ihnen im Folgenden kurz erläutern, was Interoperabilität ist und wie sie Ihr Leben beeinflusst.

Was ist Interoperabilität?

Interoperabilität ist die Fähigkeit eines Systems oder Produkts, automatisch mit anderen zusammenzuarbeiten. Mit anderen Worten: Es funktioniert, ohne dass eine bestimmte Aktion erforderlich ist.

Interoperabilität basiert auf bestehenden Normen und Protokollen, die ihrerseits das Ergebnis signifikanter Innovationen sind. Interoperabilität ermöglicht es Ihnen, mit jemandem am anderen Ende der Welt zu telefonieren. Das ist selbst dann möglich, wenn das Telefonnetz Ihres Gesprächspartners nicht genau das gleiche ist wie das Ihre. Es funktioniert auch, wenn Sie beide verschiedene Fabrikate von Smartphones mit unterschiedlichen Betriebssystemen verwenden (z. B. Android und IOS).

Interoperabilität ist auch der Grund für den großen Erfolg der E-Mail. Die Interoperabilität des E-Mail-Protokolls bedeutet, dass jeder unabhängig vom gewählten Dienst Nachrichten senden und empfangen kann

Wie funktioniert Interoperabilität?
Wie funktioniert Interoperabilität?

Weshalb ist Interoperabilität ein Konzept von zentraler Bedeutung?

Interoperabilität ist wichtig, weil sie die Verknüpfung verschiedener Produkte und Dienste unterschiedlicher Unternehmen ermöglicht. Interoperabilität bietet Ihnen technische Vielseitigkeit, egal ob Sie ein Verbraucher, ein kleines Unternehmen oder eine Organisation sind. Sie erweitert Ihre Auswahl, indem sie es Ihnen ermöglicht, eine breitere und vielseitigere Palette von Werkzeugen zu kombinieren, die gerade Ihren Bedürfnissen entsprechen. 

Sie ermöglicht es darüber hinaus kreativen Unternehmen mit begrenzten Ressourcen, sich mit innovativen Produkten auf dem Markt zu etablieren. Diese Unternehmen können sich nämlich auf bestehende Werkzeuge stützen, um ergänzende Module zu entwickeln, ohne dass sie sehr aufwändige Endprodukte herstellen müssen, die einen höheren technischen Aufwand erfordern.

Damit ist die Interoperabilität ein entscheidender Faktor für Innovation und die Weiterentwicklung des digitalen Ökosystems. Auch das Internet wurde im Hinblick auf Interoperabilität konzipiert. Es wurden Standards festgelegt, damit Einzelpersonen und Organisationen auf der ganzen Welt miteinander kommunizieren und Informationen und Dienste frei austauschen können.

Wer sind die “Gatekeeper”?

Leider versuchen einige Unternehmen, diese Offenheit zu untergraben, indem sie so genannte  „Walled Gardens“ schaffen. Sie unterhalten geschlossene Ökosysteme, in denen sie die Hardware, die Anwendungen oder die Inhalte kontrollieren. Infolgedessen sind ihre Nutzer auf die auf diesen Plattformen angebotenen Dienste, Inhalte und Kommunikationsmöglichkeiten beschränkt.

Diese Firmen, die auch „Gatekeeper“ genannt werden, wenden Strategien an, um anderen Unternehmen den Zugang zu ihrem Nutzerstamm zu verwehren. Sie sind in der Lage, von ihren Nutzern hohe Gebühren zu verlangen, sie in ihren Suchmaschinenergebnissen schlechter zu platzieren und ihren Ruf  zu kontrollieren. Diese „Gatekeeper“ sind nichts anderes als die digitalen Giganten. Dazu gehören die GAMAF (Google, Amazon, Microsoft, Apple und Facebook), aber auch andere Internetgiganten mit riesigen Nutzerbeständen wie Uber, Twitter und TikTok.

So kann zum Beispiel der Besitzer eines iPhones nur die Anwendungen herunterladen, die im Apple App Store angeboten werden. Er kann keine Anwendung aus Google Play auf seinem Telefon installieren. Ein WhatsApp-Nutzer kann nicht mit einem Telegram-Nutzer kommunizieren, wenn dieser kein WhatsApp-Konto hat.

Was ist der Netzwerkeffekt?

Unter normalen Umständen kann jedes neue Unternehmen auf einem bestimmten Markt erfolgreich sein, selbst wenn es sich um eine Nische mit einer sehr begrenzten Anzahl von Unternehmen handelt. Auf dem digitalen Markt ist dies jedoch aufgrund von Skalen- und Netzeffekten nicht mehr immer der Fall.

Um den Löwenanteil eines Marktes zu erobern, bieten große Internetunternehmen viele Dienste vermeintlich kostenlos oder zu Tiefstpreisen an, um einen riesigen Nutzerstamm aufzubauen.

Jeder neue Nutzer stärkt dabei die Attraktivität der Plattform, weil er die Zahl der Nutzer, mit denen man interagieren kann, wie z.B. bei Facebook, erweitert. Darüber hinaus können die Algorithmen durch die Diversifizierung der Plattforminhalte ihre Auswahl verfeinern, um allen Nutzern relevantere Inhalte anzubieten, wie im Falle einer Suchmaschine wie Google. Schließlich fördert eine größere Nutzerbasis die Entwicklung neuer Anwendungen, wie z. B. in den App-Stores von Android und iPhone.

Dieser Teufelskreis auf großen Internet-Plattformen wird als „Netzwerkeffekt“ bezeichnet.

In dieser Situation zögern die Nutzer nämlich, den Dienstanbieter oder die Plattform zu wechseln, da sie dadurch den Zugang zu den Vorteilen des Netzwerkeffekts verlieren.  

Darüber hinaus zwingt die mangelnde Interoperabilität einiger Gatekeeper die Nutzer förmlich dazu, sich, wenn auch ungern bei diesen Plattformen anzumelden, da sie über eine große Nutzerbasis verfügen, die sie scheinbar unverzichtbar macht. Sie fühlen sich gezwungen, ihnen beizutreten, um mit einer größeren Anzahl von Menschen zu interagieren.

Die Dominanz dieser Giganten wird also mit jedem neuen Nutzer, den sie gewinnen, stärker. Mit der Zeit hält ihre Macht andere Akteure davon ab, konkurrierende Dienste zu entwickeln, weil sie wissen, dass sie nie genug Nutzer anziehen werden, um einen potenziellen neuen Dienst attraktiv und profitabel zu machen.

Der Netzwerkeffekt ist so effektiv, dass es selbst einem mächtigen Unternehmen nicht gelingen kann, in einen Markt einzudringen, in dem ein anderer Akteur über diesen Vorteil bereits verfügt. Google+ hat es nie geschafft, mit Facebook zu konkurrieren, und Google musste das Handtuch werfen. Microsofts Bing hat es nie geschafft, mit der Google-Suche gleichzuziehen. Diese Hürde ist für Start-ups, die in diese Märkte eintreten wollen, noch größer. Signal, ein Ende-zu-Ende-verschlüsselter Instant-Messaging-Dienst, hat es aufgrund der Dominanz von WhatsApp schwer, Fuß zu fassen, obwohl sein Dienst den Nutzern einen größeren Mehrwert bietet als WhatsApp.

Internet-Nutzer als Geißeln

Infolgedessen befinden sich die marktbeherrschenden Plattformen in einer Monopolsituation auf einem Markt, auf dem es keinen Wettbewerb gibt. In dieser Position kann es verlockend sein, den Status quo einfach beizubehalten und kein Geld mehr für die Entwicklung neuer Innovationen auszugeben.

Sehr oft ziehen sie es vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu konsolidieren oder neue Märkte in der Nähe der von ihnen beherrschten Märkte zu erobern, indem sie das Wissen nutzen, das sie über ihre Nutzer gesammelt haben. Auf diese Weise gelingt es ihnen, auf neuen Märkten Fuß zu fassen, selbst wenn diese von alteingesessenen Akteuren beherrscht werden.

Die Nutzer werden dann mit einem Dienst quasi „in Geiselhaft“ genommen, der sich kaum weiterentwickelt, und haben keine Möglichkeit, zu einem anderen zu wechseln. An diesem Punkt gibt es für das Monopol keine Verpflichtung mehr, die Preise niedrig zu halten oder Dienste kostenlos anzubieten. Ihr Status als „Must-have“-Dienst erlaubt es ihnen, ihre Preise frei festzulegen.

Der Status eines Monopols oder Duopols ist für viele große Internetdienste bereits eine Selbstverständlichkeit. Eine Studie der britischen Regierung schätzt, dass 2019 der größte oder die beiden größten Akteure auf dem Markt für mobile Betriebssysteme und die Online-Suche fast 100 % des britischen Marktanteils einnahmen. Der Anteil der beiden größten Social-Media-Unternehmen lag bei über 90 %.

So hat sich die digitale Landschaft schleichend verändert. Vor einem Jahrzehnt war es üblich, ein Konto bei mindestens einem Dutzend verschiedener sozialer Medien zu haben. Heute haben die meisten Nutzer dieser Plattformen nur noch zwei oder drei Konten.

Regulierungsbehörden streben Interoperabilität an

Die Dominanz der Gatekeeper und ihre schädlichen Auswirkungen auf den digitalen Markt, die öffentliche Ordnung und das politische Leben beunruhigen zunehmend die Regulierungsbehörden in Europa, den Vereinigten Staaten und anderswo.

Ein Unternehmen, das seinen Markt aufgrund von Netzwerkeffekten beherrscht, hat kein Interesse daran, die Interoperabilität zu fördern, und es tut dies auch nicht von sich aus.

Daher ist ein staatliches Eingreifen erforderlich, um die Bedingungen wiederherzustellen, die das Entstehen von konkurrierenden Unternehmen fördern.

Die westlichen Länder haben das eindeutig begriffen. Deshalb fördert die Europäische Kommission unabhängige Dienste und nahtlose Datenflüsse für europäische öffentliche Verwaltungen. Im Dezember 2020 legte die EU zwei Gesetzentwürfe vor, den „Digital Services Act“ (DSA) und den „Digital Markets Act“ (DMA), die im Jahr 2022 in Kraft treten sollen. Der DSA zielt auf die auf Plattformen veröffentlichten Inhalte ab, während der DMA den Wettbewerb im Internet regeln soll.

Ein wichtiges Anliegen für Mailfence

Interoperabilität ist einer der zentralen Werte von Mailfence. Sie war ein entscheidender Faktor bei der Entwicklung unserer Lösung. Mailfence wurde mit eingebauter Interoperabilität entwickelt, so dass unsere Benutzer unseren Service mit ihren bevorzugten Tools integrieren können, ohne deren Leistung oder den Umfang ihrer Funktionen zu beeinträchtigen.

Mailfence E-Mail ist vollständig interoperabel mit jedem anderen verschlüsselten E-Mail-Dienst in der Welt, der auf OpenPGP basiert, einem der am weitesten verbreiteten E-Mail-Verschlüsselungsprotokolle. Dies gewährleistet ein standardisiertes und interoperables Wettbewerbsumfeld. Die im Programm erzeugten Dateien und Schlüssel sind mit jeder Software kompatibel, die diesen Standard unterstützt. Es ist in der Tat von entscheidender Bedeutung, den Schutz auch für die durch Interoperabilität ausgetauschten Daten zu gewährleisten, was für uns schon immer eine Priorität war.

Mailfence gibt seinen Nutzern außerdem die volle Kontrolle über ihre Schlüsselverwaltung und bietet vollständige Reversibilität. Jeder Benutzer kann seine Schlüssel und Daten auf jede andere Plattform exportieren, wann immer er möchte.

Mailfence hat sich der Coalition for Competitive Digital Markets angeschlossen. Die #C4DM kämpft für den Digital Markets Act, um strengere Regeln für vorinstallierte Anwendungen, Bündelung und Interoperabilität durchzusetzen (lesen Sie hier unseren offenen Brief an die europäischen Regulierungsbehörden).

Im vergangenen Jahr haben wir als Mitglied der Digital SME Alliance in Europe die Abgeordneten des Europäischen Parlaments bereits aufgefordert, in den nächsten Gesetzesentwurf über digitale Dienstleistungen Vorabanforderungen an die Interoperabilität der wichtigsten Akteure auf den Märkten für digitale Dienstleistungen aufzunehmen, die von erheblichen Netzwerkeffekten profitieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Interoperabilität eine notwendige Voraussetzung für einen gesunden Wettbewerb ist, der auf den Vorteilen für die Nutzer und nicht auf der Größe des Kundenstamms des Anbieters beruht. Sie verschafft den Internetnutzern Freiheit, indem sie ihnen die Möglichkeit gibt, die von ihnen bevorzugten Dienste nach ihren eigenen Kriterien auszuwählen. Er ermöglicht den Eintritt neuer Akteure in den Markt und das Entstehen innovativer, kreativer und kostengünstiger Lösungen um Wohle aller.

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Werner Grohmann

Werner Grohmann ist Online-Redakteur und Content Marketingberater für deutsche und internationale IT-Unternehmen. Er ist für die deutsche Version des Mailfence Blogs verantwortlich.

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