Stellen Sie sich vor, Ihr Smartphone würde jede Nachricht, jedes Foto und jede Datei, die Sie weiterleiten, lesen, noch bevor Sie auf „Senden“ klicken.
Das ist der Kerngedanke hinter der Chatkontrolle (oder auch Client-Side Scanning). In Europa ist dies noch nicht gesetzlich verankert. Doch am 9. Juli 2026 kam das Europäische Parlament diesem Ziel so nahe, dass die Richtung unmissverständlich klar wurde: Eine Mehrheit der Europaabgeordneten stimmte gegen die Wiedereinführung des Scannens von Nachrichten ohne richterliche Anordnung, und dennoch wurde der Beschluss verabschiedet. Die dauerhafte Verordnung, die ein tatsächliches Scannen auf dem Endgerät vorschreiben könnte, wird im September 2026 erneut zur Debatte stehen.
Manchen Technologieunternehmen muss man das gar nicht erst sagen. Sie führen bereits seit Jahren freiwillig Scans durch.
Darum geht es in diesem Artikel:
- Was Client-Side Scanning (CSS) ist und wie es technisch funktioniert
- Welche Rechtsvorschriften der EU und des Vereinigten Königreichs diese Entwicklung vorantreiben
- Was sich durch die Abstimmung vom 9. Juli 2026 tatsächlich geändert hat – und was nicht
- Welche Unternehmen Ihre Nachrichten bereits scannen
- Wie Sie sich schützen können
Legen wir los.
Was versteht man unter Chatkontrolle?
Unter Chatkontrolle (oder auch clientseitiges Scannen, Client-Side Scanning (CSS)) versteht man die Überprüfung des Inhalts Ihrer Nachrichten direkt auf Ihrem Gerät, bevor die Verschlüsselung greift.
Ihr Smartphone oder Ihr Computer analysiert Texte, Bilder und Dateien und gleicht diese mit einer Datenbank mit markierten Inhalten ab. Bei einer Übereinstimmung wird dies gemeldet.
Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versiegelt im übertragenen Sinne einen Brief in einem Umschlag, den nur der vorgesehene Empfänger öffnen kann. Bei der Chatkontrolle wird dieser Brief bereits gelesen, während Sie ihn noch schreiben. Der Umschlag bleibt zwar verschlossen, doch Ihre Privatsphäre haben Sie bereits verloren.
Befürworter argumentieren, dies sei notwendig, um Material über sexuellen Kindesmissbrauch aufzuspüren. Datenschutzforscher halten dem jedoch entgegen, dass dadurch ein Massenüberwachungssystem entsteht, das jeden betrifft – auch Sie.
Bevor wir fortfahren, ist eine Unterscheidung wichtig. Der Großteil der heute in Europa stattfindenden Kontrollen erfolgt serverseitig: Dabei werden unverschlüsselte Nachrichten überprüft, nachdem sie bei einem Anbieter eingegangen sind. Das Client-Side Scanning unterscheidet sich davon und ist invasiver, da es das Scannen auf Ihre eigene Hardware verlagert. Behalten Sie diese Unterscheidung im Hinterkopf, denn die beiden europäischen Gesetzesentwürfe für die Chatkontrolle stehen auf entgegengesetzten Seiten dieser Trennlinie.
Wie funktioniert die Chatkontrolle?
Es gibt zwei wesentliche technische Ansätze. Beide finden auf Ihrem Gerät statt, bevor Ihre Nachricht verschlüsselt und versendet wird.
Perzeptiver Hash-Vergleich
Ihr Gerät wandelt ein Bild in einen digitalen Fingerabdruck (einen sogenannten „Hash“) um und vergleicht diesen mit einer Datenbank bekannter illegaler Bilder. Stimmt der Hash überein, wird der Inhalt automatisch markiert und gemeldet. Kein Mensch sieht ihn, es sei denn, das System löst einen Alarm aus.
Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Dateiprüfsumme bleibt ein perzeptiver Hash auch bei Größenänderungen, Ausschnitten und erneuter Komprimierung erhalten. Genau darin liegt der Vorteil: Er erkennt dasselbe Bild auch dann noch, wenn es verändert wurde. Dies ist auch der Grund, warum sich diese Technik so problemlos auf Inhalte übertragen lässt, bei denen es sich überhaupt nicht um Material über sexuellen Kindesmissbrauch handelt.
Drei Systeme dominieren.
PhotoDNA (Microsoft)
Das am weitesten verbreitete Tool seiner Art. Es wandelt Bilder in eine auf einem Graustufenraster basierende Signatur um und gleicht diese mit Hash-Datenbanken ab, die von Organisationen wie dem NCMEC geführt werden. Microsoft vergibt zahlreiche Lizenzen dafür, weshalb es auf Plattformen zu finden ist, die keine eigene Lösung entwickelt haben.
CSAI Match (Google)
Das System von Google, das eher für Videos als für Fotos konzipiert wurde. Es erstellt einen Fingerabdruck von Videoinhalten, gleicht diese mit bekanntem Material ab und leitet Treffer anschließend in eine Warteschlange zur Überprüfung durch Mitarbeiter.
PDQ (Meta)
Metas eigener Algorithmus für perzeptives Hashing, der zusammen mit einer entsprechenden Videoversion als Open Source veröffentlicht wurde. Da er öffentlich zugänglich ist, hat er sich zu einer Referenzimplementierung für Plattformen entwickelt, die eigene Erkennungsfunktionen entwickeln.
KI-Klassifikatoren
Der zweite Ansatz nutzt Modelle des maschinellen Lernens, um bisher unbekannte illegale Inhalte durch die Analyse visueller und textlicher Muster zu erkennen.
Der Haken daran? KI-Klassifikatoren weisen hohe Falsch-Positiv-Raten auf. Unbedenkliche Fotos, wie beispielsweise medizinische Bilder, Schnappschüsse Ihrer Familie oder sogar Kunstwerke, können fälschlicherweise als verdächtig markiert werden.
Beim Hash-Abgleich wird gefragt: „Haben wir genau das schon einmal gesehen?“ Ein Klassifikator fragt: „Sieht das so aus, wie das, wonach wir suchen?“ Die zweite Frage ist für denjenigen, der das Modell kontrolliert, weitaus nützlicher – und für Sie weitaus gefährlicher.

Warum sich keines von beiden auf einen einzigen Zweck beschränken lässt
Beiden Methoden liegt ein tieferes Problem zugrunde: Sobald die Scan-Infrastruktur auf Ihrem Gerät installiert ist, gibt es technisch gesehen nichts, was eine Erweiterung dieser Infrastruktur verhindern könnte.
Es könnte dazu umfunktioniert werden, politische Äußerungen, religiöse Inhalte oder alles andere zu kennzeichnen, was eine Regierung als „anstößig“ einstuft.
Die Internet Society warnt davor, dass die Chatkontrolle die Sicherheit und den Datenschutz gesetzestreuer Nutzer beeinträchtigt und gleichzeitig die Gefahr birgt, dass das Ziel der Strafverfolgung, dem es dienen soll, verfehlt wird. Die EFF hat aufgezeigt, warum es technisch unmöglich ist, ein Scansystem zu entwickeln, das ausschließlich für einen einzigen Zweck eingesetzt werden kann. Sobald der Mechanismus existiert, ist die Festlegung seines Anwendungsbereichs eine politische und keine technische Entscheidung.
Das Ökosystem der Chatkontrolle wird fast ausschließlich von einigen wenigen großen Plattformen und Regierungen bestimmt, die entscheiden, was gescannt wird, wie der Abgleich funktioniert und wann Inhalte markiert werden. Es gibt keine neutrale Normungsstelle, die diese Systeme überwacht. Stattdessen stützt sich die Chatkontrolle auf proprietäre Tools, die unter regulatorischem Druck eingesetzt werden, während zivilgesellschaftliche und technische Experten darauf beschränkt sind, Bedenken hinsichtlich Überwachung, Zensur und einer schleichenden Ausweitung des Anwendungsbereichs zu äußern.
EU-Chatkontrolle: Die Rechtsvorschrift, die das Scannen auf dem Endgerät vorschreibt
Das Bestreben der EU, Nachrichten zu überwachen – von Kritikern als „Chatkontrolle“ bezeichnet –, stellt die größte Bedrohung für die verschlüsselte Kommunikation auf dem Kontinent dar. Doch die Geschichte ergibt nur dann Sinn, wenn man zwei separate Gesetze voneinander unterscheidet.
Chatkontrolle 1.0: die freiwillige Ausnahmeregelung
Im Jahr 2021 führte die EU eine befristete Ausnahmeregelung zu ihren ePrivacy-Vorschriften ein. Diese ermöglichte es Technologieplattformen, unverschlüsselte Nachrichten freiwillig auf Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu überprüfen.
Dienste wie Gmail, Facebook Messenger, Skype, Snapchat und Xbox Messaging haben sich dafür entschieden. Die Ausnahmeregelung wurde im Jahr 2024 verlängert, wodurch sich ihr Ablauf auf den 3. April 2026 verschob.
Beachten Sie, worum es sich bei dieser Regelung handelt: um ein serverseitiges Scannen von unverschlüsselten Inhalten nach Ermessen des Anbieters. Es handelt sich nicht um ein clientseitiges Scannen. Auch der Begriff „freiwillig“ spielt hier eine entscheidende Rolle. Die Entscheidung liegt beim Anbieter. Nicht bei Ihnen und auch nicht bei einem Gericht.
Chatkontrolle 2.0: der Vorschlag zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch
Im Mai 2022 schlug die Europäische Kommission eine dauerhafte Verordnung mit dem Titel „Verordnung zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch“ vor. Kritiker bezeichneten diese umgehend als Chatkontrolle 2.0.
Dieser Vorschlag geht weit darüber hinaus. Er würde Anbieter dazu verpflichten, auf der Grundlage behördlicher „Ermittlungsanordnungen“ Daten zu scannen – und gemäß dem ursprünglichen Entwurf würde dies durch clientseitiges Scannen auch Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste betreffen.
Diese Verordnung ist es, was für Client-Side Scanning von Bedeutung ist. Die fünfte Dreierverhandlung endete am 29. Juni 2026 ohne Einigung. Die Gespräche werden im September 2026 wieder aufgenommen, und beim Kernstreitpunkt gibt es nach wie vor keine Bewegung: pauschales Scannen nach Ermessen der Branche oder gezielte Durchsuchungen, die von einem Richter gegen konkrete Verdächtige angeordnet werden.
Der aktuelle Stand der Dinge
Am 26. März 2026 stimmte das Europäische Parlament mit 311 zu 228 Stimmen gegen eine Verlängerung der freiwilligen Regelung. Der Rechtsrahmen lief am 3. April 2026 aus.
Dann übernahm das Verfahren die Oberhand. Am 7. Juli beschloss das Parlament mit 331 zu 304 Stimmen die Einleitung eines Dringlichkeitsverfahrens. Die Abstimmung selbst fand am 9. Juli statt, dem letzten Abstimmungstag vor der Sommerpause, wobei bereits etwa 112 Europaabgeordnete abwesend waren.
Das Ergebnis war ein Paradoxon. 314 Abgeordnete stimmten gegen die Verlängerung. 276 stimmten für deren Beibehaltung, bei 17 Enthaltungen. Es gab mehr Abgeordnete, die mit „Nein“ stimmten, als solche, die mit „Ja“ stimmten. Für eine Ablehnung in zweiter Lesung ist jedoch eine absolute Mehrheit des gesamten Plenums erforderlich: 361 Stimmen. Dem Antrag fehlten 47 Stimmen, sodass der Text des Rates automatisch in Kraft trat.
Das Scannen unverschlüsselter Nachrichten ohne richterliche Anordnung ist bis April 2028 oder bis zum Inkrafttreten einer dauerhaften Regelung wieder zulässig.

Zwei Änderungsanträge zeigen Ihnen, wo der Schwerpunkt des Parlaments tatsächlich liegt. Der eine hätte das Scannen auf von der Justiz identifizierte Verdächtige beschränkt: Er wurde mit 322 zu 255 Stimmen angenommen, scheiterte jedoch an derselben Hürde. Der andere wurde angenommen und schließt Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation ausdrücklich aus dem Anwendungsbereich von Chatkontrolle 1.0 aus.
Somit fallen WhatsApp, Signal und Telegram nun offiziell nicht mehr unter die freiwillige Regelung. Das ist ein echtes Zeichen für die Verschlüsselung, und es lohnt sich, die Grenzen dieser Regelung genau zu definieren: Sie gilt ausschließlich für diesen Bereich. Der Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch ist nach wie vor der Anwendungsbereich, in dem Verpflichtungen zum clientseitigen Scannen auch verschlüsselte Dienste betreffen könnten. Ein taktischer Sieg in einer Angelegenheit, jedoch keine Lösung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Sie beachten sollten: Anbieter, die zwischen April und Juli weiterhin Nachrichten gescannt haben, taten dies ohne jegliche Rechtsgrundlage seitens der EU, und die Abstimmung im Juli behebt diese Lücke nicht rückwirkend.
Trotz der rechtlichen Unsicherheit hatten Google, Meta, Microsoft und Snap bereits angekündigt, dass sie weiterhin private Nachrichten scannen würden.
Über die dauerhafte Verordnung zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch wird derzeit noch verhandelt; die Gespräche sollen voraussichtlich im September 2026 wieder aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang drängen Regierungen in ganz Europa und im Vereinigten Königreich weiterhin auf ein obligatorisches Scannen auf dem Gerät, das auch verschlüsselte Kommunikation erfassen könnte.

Das britische Gesetz zur Online-Sicherheit und Scannen auf Geräten
Die EU steht damit nicht allein da. Das britische Gesetz zur Online-Sicherheit von 2023 verfolgt einen ähnlichen Ansatz und geht in mancher Hinsicht sogar noch weiter.
Was Ofcom verlangen kann
Das Gesetz ermächtigt Ofcom, die britische Regulierungsbehörde für den Kommunikationssektor, Plattformen dazu zu verpflichten, „zertifizierte Technologie“ zur Erkennung von Inhalten einzusetzen. Datenschützer warnen, dass dies ein Scannen von Mobiltelefonen und anderen Devices auf dem Gerät selbst bedeuten könnte, bevor Nachrichten verschlüsselt werden.
Im Dezember 2025 stufte die Regierung Cyberflashing und Inhalte, die zur Selbstverletzung auffordern, als vorrangige Straftaten im Sinne des Gesetzes ein; die entsprechenden Vorschriften traten im Januar 2026 in Kraft. Dies führte zu strengeren Verpflichtungen hinsichtlich der Erkennung solcher Inhalte.
Die Befugnis, ein Scannen zu erzwingen, ist bereits gesetzlich verankert; was noch fehlt, ist die operative Umsetzung. Solange Ofcom sein Akkreditierungsrahmenwerk nicht veröffentlicht, ruhen diese Befugnisse zwar, sind aber nicht aufgehoben.
Beachten Sie den Kontrast: Während die EU die Verschlüsselung gerade aus ihrem freiwilligen Regelwerk herausgenommen hat, verfügt das Vereinigte Königreich über gesetzliche Befugnisse, die über dieses Regelwerk hinausreichen.
Wie Signal, WhatsApp und Apple darauf reagierten
Sowohl Signal als auch WhatsApp haben erklärt, dass sie lieber den britischen Markt verlassen würden, als ein Scannen auf Geräten einzuführen.
Apple hat am 21. Februar 2025 die Funktion Erweiterter Datenschutz für Nutzer im Vereinigten Königreich eingestellt, nachdem die Regierung unter Berufung auf Befugnisse gemäß dem Investigatory Powers Act einen Hintertürzugang zu verschlüsselten iCloud-Daten gefordert hatte. Anstatt die Verschlüsselung zu schwächen, hat Apple die Funktion im Vereinigten Königreich deaktiviert.
Der grundlegende Widerspruch ist offensichtlich. Man kann verschlüsselte Nachrichten nicht scannen, ohne entweder die Verschlüsselung zu knacken oder den Inhalt vorab zu scannen – und beide Optionen untergraben das Sicherheitsmodell.
Welche Unternehmen scannen Ihre Nachrichten bereits?
Mehrere große Technologieunternehmen scannen bereits Ihre zwischenmenschliche Kommunikation – und zwar nicht nur in sozialen Medien oder Chat-Apps. Das Scannen umfasst E-Mails, Cloud-Chats, Gaming-Chats und Direktnachrichten.
Hier erfahren Sie, wer dies tut, welche Mittel dabei zum Einsatz kommen und was dies für Sie bedeutet.
Scannt: Gmail, Google Chat
Verwendet: PhotoDNA und das firmeneigene CSAI-Match-System
Wenn Sie Gmail für Ihre private Korrespondenz nutzen, fallen Ihre unverschlüsselten E-Mails unter die am 9. Juli wieder in Kraft getretene Regelung. Google hat erklärt, dass es das Scannen fortsetzen wird.
Meta
Scannt: Facebook Messenger, Instagram-Direktnachrichten
Verwendet: PhotoDNA und das firmeneigene PDQ-System
Meta durchsucht die Plattformen, auf denen die Verschlüsselung optional ist oder fehlt. Instagram-Direktnachrichten und Messenger-Chats, bei denen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht aktiviert ist, sind lesbar und können daher durchsucht werden.
Microsoft
Scannt: Outlook, Skype, Xbox-Nachrichten
Verwendet: die selbst entwickelte Software PhotoDNA
Microsoft hat das branchenweit am häufigsten eingesetzte Tool zum Abgleich von Hash-Werten entwickelt und setzt es in seinen eigenen Verbraucherdiensten ein, darunter auch im E-Mail-Dienst Outlook.
Snap
Scannt: Snapchat-Nachrichten
Verwendet: Tools zum Abgleich von Hash-Werten
Das Konzept der kurzlebigen Inhalte bei Snapchat bildet hier keine Ausnahme. Die Nachrichten werden geprüft, bevor sie verschwinden.
Gescannt oder nicht gescannt: der aktuelle Status Ihrer Nachrichten
| Dienst | Was wird gescannt? | Technologie | Im Anwendungsbereich von Chatkontrolle 1.0? |
| Gmail / Google Chat | Unverschlüsselte E-Mails und Chats | PhotoDNA, CSAI-Match | Ja |
| Messenger / Instagram DMs | Unverschlüsselte Nachrichten | PhotoDNA, PDQ | Ja |
| Outlook/Skype/Xbox | Unverschlüsselte Nachrichten | PhotoDNA | Ja |
| Snapchat | Nachrichten | Hash-Abgleich | Ja |
| WhatsApp/Signal/Telegram | Nichts (E2EE)* | – | Nein, seit dem 9. Juli 2026 ausdrücklich ausgeschlossen |
| Mailfence | Nichts | OpenPGP E2EE | Nein, der Inhalt von Nachrichten ist grundsätzlich nicht einsehbar. |
Die Ausnahme für verschlüsselte Dienste gilt ausschließlich für die freiwillige Regelung. Der endgültige Vorschlag zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch könnte verschlüsselten Plattformen weiterhin Verpflichtungen zum clientseitigen Scannen auferlegen.
* Es gibt anhaltende Diskussionen und einige Vorwürfe bezüglich des Scannens von privaten Nachrichten auf WhatsApp. WhatsApp vertritt öffentlich den Standpunkt, dass es Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten nicht lesen könne, und lehnt Gesetze ab, die ein client- oder serverseitiges Scannen aller Chats vorschreiben würden; Wettbewerber und einige Kommentatoren vertreten hingegen eine gegenteilige Auffassung.
So beenden Sie die Chatkontrolle
Die meisten Menschen gehen davon aus, dass das Scannen von Nachrichten ausschließlich in Chat-Apps oder sozialen Medien stattfindet. Tatsächlich erstreckt sich dies jedoch bereits auf E-Mail, Cloud-Chats, Gaming-Chats und alle Dienste, in denen Nutzer Inhalte austauschen. Wenn Sie dieses Ökosystem verlassen möchten, bedeutet dies, dass Sie sich für Dienste entscheiden müssen, die Ihre zwischenmenschliche Kommunikation nicht überwachen.
1. Wählen Sie Dienste, die keine Inhalte scannen
Einige Plattformen analysieren Ihre Kommunikation, da ihr Geschäftsmodell auf der Überprüfung von Nutzerinhalten beruht. Andere tun dies schlichtweg nicht.
Dienste, die eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung implementieren, können Ihre Nachrichten nicht scannen, da sie keinen Zugriff darauf haben. Dies ist eine technische Eigenschaft und kein Marketingversprechen. Mailfence wendet dieses Prinzip auf E-Mails an, weshalb Ihre Nachrichten nicht überprüft werden.
Mailfence scannt Ihre verschlüsselten Nachrichten nicht, da dies technisch nicht möglich ist. Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet, dass selbst der Betreiber des Dienstes keinen Zugriff auf Ihre Inhalte hat. Dies ist keine Richtlinie, die wir im nächsten Quartal einfach still und heimlich ändern könnten, sondern handelt sich um eine Eigenschaft der Architektur.
Unsere Server befinden sich in Belgien und unterliegen der DSGVO sowie der belgischen Rechtsordnung. In unserem Transparenzbericht und unserem Warrant Canary erfahren Sie, was dies in der Praxis bedeutet.
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2. Wählen Sie einen Anbieter, dessen Geschäftsmodell nicht auf Ihre Daten angewiesen ist
Große, werbefinanzierte Plattformen scannen Nachrichten, da sie Verhaltensdaten benötigen. Auf Datenschutz ausgerichtete Dienste tun dies nicht.
Der Zuständigkeitsbereich spielt eine Rolle. Ein belgischer Anbieter unterliegt der DSGVO und dem belgischen Datenschutzrecht, die die Weiterverwendung Ihrer Nachrichteninhalte streng regeln. Er darf diese nicht einfach für umfassende Analysen oder Profilerstellungen wiederverwenden, ohne dass eine klare Rechtsgrundlage vorliegt und die Vorschriften zur Zweckbindung sowie die Nutzerrechte eingehalten werden. Dies bietet einen stärkeren Schutz als das bloße Versprechen in den Nutzungsbedingungen.
3. Verwenden Sie eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt Sie nur dann, wenn Ihr Gerät die Verschlüsselung ungehindert und ohne Eingriffe durchführen kann. Die Chatkontrolle verändert dieses Modell, indem Inhalte vor der Verschlüsselung überprüft werden, was bedeutet, dass Ihre Nachricht – unabhängig davon, ob sie verschlüsselt wird oder nicht – dennoch gelesen werden kann.
Mailfence umgeht dieses Problem vollständig. Unsere OpenPGP-Implementierung verschlüsselt Ihre E-Mails direkt auf Ihrem Gerät.
Der Wechsel zu einem E-Mail-Dienst, bei dem der Datenschutz an erster Stelle steht, ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können. Ihr Posteingang enthält persönliche, finanzielle und berufliche Informationen aus vielen Jahren. Weitere Informationen finden Sie in unserem Leitfaden zur E-Mail-Sicherheit und in den Best Practices zur E-Mail-Sicherheit in Unternehmen.
„Das Bestreben nach Chatkontrolle zeugt von einem grundlegenden Missverständnis darüber, wie Vertrauen in der digitalen Kommunikation funktioniert. Datenschutz ist keine Funktion, die man einfach entfernen und durch Überwachung ersetzen kann. Wir bei Mailfence sind der Überzeugung, dass Ihre Nachrichten Ihnen gehören, und dass keine Regierung und kein Algorithmus sie lesen sollte, bevor Sie auf ‚Senden‘ klicken.“ – Patrick De Schutter, Mitbegründer von Mailfence
Abschließende Überlegungen zur Chatkontrolle
Sobald Ihr Gerät Ihre Eingaben vor der Verschlüsselung überprüft, ist die Unterscheidung zwischen einer privaten und einer überwachten Unterhaltung nicht mehr technischer, sondern politischer Natur.
Die Abstimmung vom 9. Juli hat diese Grenze nicht überschritten. Sie bewirkte etwas Unauffälligeres und wohl noch Schlimmeres: Sie zeigte, dass eine Maßnahme, die zuvor von einer Mehrheit der Europaabgeordneten abgelehnt worden war, sich während einer Parlamentspause über eine verfahrensrechtliche Hürde retten und sich damit zwei weitere Jahre Zeit verschaffen kann. Das Gesetzgebungsverfahren, das tatsächlich Auswirkungen auf Ihr Gerät hat – die Verordnung über clientseitiges Scannen – wird im September 2026 erneut auf den Tisch kommen.
Sollten diese Vorschriften in Kraft treten, wird es ein klares „Vorher“ und „Nachher“ geben, und jeder Dienstanbieter wird entscheiden müssen, wie er darauf reagiert. Einige Plattformen werden möglicherweise Client-Side Scanning in ihre Apps integrieren. Andere hingegen nicht. Mailfence gehört zur zweiten Gruppe, und zwar aus strukturellen Gründen und nicht nur als Versprechen: Wenn Sie unsere Ende-zu-Ende-OpenPGP- oder passwortbasierten Verschlüsselungsmodi nutzen, bleiben Ihre E-Mail-Inhalte für unsere Infrastruktur unzugänglich. In Verbindung mit der belgischen Rechtsordnung und der DSGVO, die die Weiterverwendung von Daten streng einschränken, macht dies die Einführung von Scans auf Inhaltsebene oder Profiling durch Mailfence weitaus schwieriger als eine bloße Änderung der Nutzungsbedingungen.
Das Scannen erstreckt sich mittlerweile auf E-Mails, Chats, Cloud-Speicher und Spiele. Für welche Tools Sie sich entscheiden, macht den Unterschied, ob Ihre Nachrichten privat bleiben.
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FAQ zur Chatkontrolle
Ist die Chatkontrolle dasselbe wie das Knacken der Verschlüsselung?
Nein. Die Chatkontrolle zerstört die Verschlüsselung nicht, vielmehr umgeht sie sie. Der Inhalt wird auf Ihrem Gerät gescannt, bevor die Verschlüsselung erfolgt, wodurch die Verschlüsselung für den Schutz Ihrer Privatsphäre irrelevant wird.
Wie kann ich das clientseitige Scannen unterbinden?
Auf Plattformen, auf denen die Chatkontrolle eingesetzt wird, können Sie diese nicht deaktivieren. Die einzige Möglichkeit, dies zu vermeiden, besteht darin, Dienste zu nutzen, die diese Funktion nicht implementieren und Ihre private Kommunikation nicht überwachen. Bei E-Mails bedeutet dies, dass Sie Anbieter wählen sollten, die eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten, wie beispielsweise Mailfence mit OpenPGP, bei dem Ihre Inhalte auf Ihrem Gerät verschlüsselt und niemals gescannt werden.
Was ist Client-Side Scanning (CSS)?
Das clientseitige Scannen (oder auch Chatkontrolle) ist ein Verfahren, bei dem Ihre Nachrichten, Fotos und Dateien vor der Verschlüsselung auf Ihrem Gerät überprüft werden. Es umgeht den Datenschutz, den die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eigentlich gewährleisten soll, indem die Inhalte im Klartext geprüft werden, bevor sie verschlüsselt werden. Dies gilt für alle Kanäle der zwischenmenschlichen Kommunikation, nicht nur für Chat-Apps.
Gilt die Chatkontrolle ausschließlich für Chat-Apps?
Nein. Sie gilt für alle Kanäle der zwischenmenschlichen Kommunikation: E-Mail, Chat, Cloud-Messaging, Gaming-Chat und Direktnachrichten auf sozialen Plattformen. Sofern das Scannen auf dem Gerät vorgeschrieben ist, spielt die Art des Dienstes keine Rolle.
Erkennt die Chatkontrolle ausschließlich Material über sexuellen Kindesmissbrauch?
Nein. Die Technologie lässt sich auf andere Kategorien von Inhalten ausweiten. Sobald der Scanvorgang auf dem Gerät erfolgt ist, kann der Anwendungsbereich durch Änderungen der Richtlinien oder neue Erkennungsmodelle erweitert werden.
Kann das clientseitige Scannen zur Massenüberwachung genutzt werden?
Ja. Damit wird ein technischer Weg geschaffen, um private Kommunikation vor der Verschlüsselung zu überprüfen. Sobald dieser Mechanismus einmal existiert, ist die Ausweitung seines Anwendungsbereichs eher eine politische Entscheidung als eine technische Herausforderung.
Hat das Europäische Parlament die Chatkontrolle abgelehnt?
Eine Mehrheit der stimmberechtigten Europaabgeordneten versuchte dies. Am 9. Juli 2026 stimmten 314 gegen die Verlängerung der Regelung zum freiwilligen Scannen, während 276 dafür stimmten; 17 enthielten sich der Stimme. Für eine Ablehnung in zweiter Lesung ist jedoch eine absolute Mehrheit von 361 Stimmen erforderlich, und dem Antrag fehlten 47 Stimmen, sodass die Verlängerung Bestand hatte. Das Scannen unverschlüsselter Nachrichten ohne richterliche Anordnung ist nun bis April 2028 rechtmäßig.
Bedeutet die Abstimmung im Juli 2026, dass meine verschlüsselten Nachrichten gescannt werden können?
Nein. Ein am selben Tag verabschiedeter Änderungsantrag schließt Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation ausdrücklich aus dem Geltungsbereich von Chatkontrolle 1.0 aus. Diese Ausnahme gilt jedoch nur für die freiwillige Regelung. In der dauerhaften Verordnung zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch, die sich noch im Trilog befindet und im September 2026 erneut behandelt wird, könnten Verpflichtungen zum clientseitigen Scannen weiterhin auch verschlüsselte Dienste betreffen.


